Kyotos Spazierfluss

Ein Weg am Wasser, drei Kilometer quer durch das Zentrum von Kyoto, ohne Kreuzung, ohne Ampel. Und mit jedem Schritt ein Stück Stadtgeschichte.

Kyotos Spazierfluss

Kyoto, im 11. Jahrhundert. Kaiser Shirakawa herrscht über ein ganzes Reich, doch ein Fluss gehorcht ihm nicht. Sein regelmässig wiederkehrendes Hochwasser, so klagt er, gehört zu den drei Dingen auf Erden, die sich seinem Willen nicht beugen.

Daran ändert sich lange nichts. Noch 1935 zerstört eine Flut fast 90 Prozent aller Brücken der Stadt. Als Reaktion darauf wird das Flussbett abgesenkt, und die Ufer werden mit massiven Natursteinmauern gesichert. Zurück bleibt eine flache Zone am Wasser, die sich im Laufe der Jahre zu einem grünen Erholungsgebiet entwickelt.

An schönen Abenden versammelt sich hier zu jeder Jahreszeit die Bevölkerung der Stadt. Die einen spazieren, laufen oder fahren Rad, die anderen geniessen sitzend die Umgebung und schauen zu, wie der Tag zu Ende geht. Der Fluss, den kein Kaiser bändigen konnte, ist zu einem ruhigen, verkehrsfreien Weg mitten durch die Stadt geworden.

Vom heiligen Wald ins Stadtzentrum

Der Fluss bietet ein wunderschönes Panorama der umliegenden Berge. janinjapan.ch