📖 Taisho-Zeit: Liberale Ära
Die kurze demokratische Phase Japans zwischen 1912 und 1926
Taishō-jidai (大正時代 | たいしょうじだい), auf Deutsch die Taishō-Zeit, bezeichnet die Regierungsperiode von Kaiser Yoshihito von 1912 bis 1926. Der Name bedeutet «grosse Gerechtigkeit» und steht im Kontrast zur vorherigen Meiji-Zeit (1868 bis 1912) der rasanten Modernisierung. Diese kurze Phase war geprägt von zunehmender Demokratisierung, gesellschaftlicher Liberalisierung und kultureller Öffnung nach westlichem Vorbild. Das allgemeine Wahlrecht für Männer wurde 1925 eingeführt, politische Parteien gewannen an Einfluss, und eine lebendige Presselandschaft entwickelte sich. Urban entstand eine moderne Konsumkultur mit Cafés, Kinos und Warenhäusern, während Frauen erstmals Zugang zu höherer Bildung erhielten. Diese innenpolitische Liberalisierung stand im Gegensatz zur imperialistischen Aussenpolitik: Japan beteiligte sich am Ersten Weltkrieg, stellte hegemoniale Forderungen an China und intervenierte nach der Revolution in Russland militärisch in Sibirien. Das verheerende Kanto-Erdbeben von 1923 markierte einen Wendepunkt, gefolgt von wirtschaftlicher Rezession und wachsendem Nationalismus, der die demokratischen Errungenschaften zunehmend untergrub. Auf diese Epoche folgte der Militarismus der Showa-Zeit (1926 bis 1989), der schliesslich im Zweiten Weltkrieg kulminierte.
- Edo-Zeit (1603 bis 1868)
- Meiji-Zeit (1868 bis 1912)
- Taisho-Zeit (1912 bis 1926)
- Showa-Zeit (1926 bis 1989)
- Heisei-Zeit (1989 bis 2019)
- Reiwa-Zeit (2019 bis heute)
