Eine Wanderung ins Herz von Yakushima
8 Stunden durch den Urwald von Yakushima, vorbei an einem verlassenen Dorf und Naturdenkmälern - bis zu einer der ältesten Zedern Japans.
Um 6 Uhr morgens beginnt meine Wanderung auf der Urwaldinsel Yakushima in der Präfektur Kagoshima auf der japanischen Südinsel Kyushu, nach einer mehr als halbstündigen Busfahrt hinauf in die Bergwelt. Am Ausgangspunkt des Wanderwegs führt der Weg in einen Wald aus uralten Zedern, die hier Yakusugi genannt werden. Es ist ein Fussmarsch, der zugleich in die wechselvolle Vergangenheit dieser Insel führt (zum Artikel). Das wird schon bei den ersten Schritten deutlich.

Ein grosser Teil der Tageswanderung folgt einer alten Bahntrasse. Holzplanken zwischen den Schienen markieren den Weg und machen diesen Abschnitt gut begehbar. Er führt über alte Brücken vorbei an einem verlassenen Holzfällerdorf.
Je tiefer der Weg in die Bergwelt vordringt, desto dichter wird der Wald. Nach einigen Kilometern enden schliesslich die Gleise. Ein schmaler Pfad führt steil hinauf, vorbei an ersten grossen Baumgestalten, die von der langen Geschichte dieses Waldes erzählen.
Der Aufstieg zu den Riesen
Kurzfilm: Eine Wanderung ins Herz von Yakushima. janinjapan.ch
Der Weg beginnt am Arakawa Trailhead und folgt zunächst der alten Bahntrasse vorbei am Holzfällerdorf Kosugidani, das 1970 aufgegeben wurde (zum Artikel). Nach acht Kilometern enden die Gleise und ein schmaler Pfad führt steil hinauf zu den grossen Naturdenkmälern der Insel: dem Zedernpaar Meotosugi, der Zeder Daiosugi und dem ausgehöhlten Baumstumpf Wilson's Stump.

Letzteren entdeckte der britische Botaniker Ernest Henry Wilson vor über 100 Jahren. Der Baum wurde vermutlich bereits 1586 gefällt (zum Artikel). In seinem Inneren öffnet sich ein begehbarer Hohlraum, der aus dem richtigen Winkel betrachtet eine herzförmige Lücke zum Himmel zeigt.
Das Wahrzeichen von Yakushima

Nach einem letzten steilen Anstieg erreiche ich gegen 11 Uhr mein Ziel, den Jōmon-Sugi. Der Baum wurde 1966 vom Gemeindeangestellten Teiji Iwakawa entdeckt. Das Wahrzeichen der Insel ist 25,3 Meter hoch, hat einen Umfang von 16,4 Metern und ist mindestens 2000 Jahre alt.
Nach dem langen Marsch ins Inselinnere bleibt ein Gefühl der Ruhe zurück, ein stilles Ankommen bei diesem Baum. Und ein Gefühl der Zufriedenheit. Ich habe es geschafft. Danach mache ich mich auf den Rückweg zum Arakawa Trailhead, meinem Ausgangspunkt. Ich folge derselben Route wie auf dem Hinweg.
Anforderungen
Die Wanderung dauert 8 bis 9 Stunden, ist technisch nicht schwierig, verlangt aber ein Mindestmass an körperlicher Fitness. Am Ende des Tages stehen rund 22 Kilometer, 700 Höhenmeter und etwas mehr als 40'000 Schritte zu Buche. Yakushima gehört zu den regenreichsten Orten Japans, das Wetter sollte während der gesamten Tour im Blick behalten werden. Starke Regenfälle sind nicht zu unterschätzen, und im Zweifel ist ein Abbruch der Wanderung die richtige Entscheidung.
Auf der gesamten Strecke gibt es feste Toilettenpunkte, das Verrichten der Notdurft in freier Natur ist untersagt. Auf Nummer sicher geht, wer einen Toilettenbeutel mitführt, erhältlich bei der Touristeninformation auf Yakushima.




Eindrücke von der Wanderung zum Jomon-Sugi. janinjapan.ch
Weiterlesen





