Ein Luxushotel hinter Gefängnismauern
In Nara übernachtet kaum jemand. Kyoto und Osaka sind zu nahe. Ein ehemaliges Gefängnis könnte das ändern.
1908 wurde in Nara auf einer Fläche von rund zehn Hektar ein riesiges Gefängnis aus dem Boden gestampft. Der Backsteinbau entstand im westlichen Stil, wie so viele Gebäude der japanischen Modernisierungszeit. Zu einem prägenden Merkmal wurden die fünf langgestreckten, strahlenförmig angeordneten Trakte, die an einem zentralen Punkt zusammenlaufen. Dieses sogenannte Haviland-System ermöglichte es, alle Trakte von einem einzigen Wachposten aus zu überwachen. Die Anlage gehörte zu den «Fünf grossen Gefängnissen der Meiji-Ära», welche die Regierung als Symbol nationalen Prestiges errichten liess.

1946 wandelte die Regierung die Anlage in eine Jugendstrafanstalt um. Erst Ende März 2017 schloss die Regierung das Gefängnis endgültig – und erklärte das Gebäude im selben Jahr zum nationalen Kulturgut. Heute ist es das einzige der fünf Gefängnisse, das nahezu vollständig im Originalzustand erhalten geblieben ist.
Nach der Schliessung blieb offen, was mit einem derart eindrücklichen, denkmalgeschützten Bau geschehen sollte. Nun hat sich diese Frage beantwortet – auf eine Art, die dem Ort seine Mauern lässt und ihm doch eine völlig neue Bestimmung gibt.
Vom Gefängnis zum Hotel
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