Die Stadt, die aus alten Läden neue Cafés macht

Eine Stadt in Japans Alpen ist ein Magnet für Kaffeeliebhaber. Das hat auch mit einem besonderen Umgang mit der Geschichte zu tun.

Die Stadt, die aus alten Läden neue Cafés macht
Aus einem Elektronikgeschäft ist ein Café geworden. janinjapan.ch

Matsumoto, die alte Burgstadt mit rund 240'000 Einwohnern, fällt durch ihre Überschaubarkeit auf – und durch ihren ausgeprägten Sinn für Geschichte, Kultur und Architektur. Genau dieser Charakter zeigt sich auch in der Kaffeehausszene. Nicht wenige Cafés lassen die alte Fassade ihres Vorgängerladens intakt und schaffen so eine Atmosphäre, die respektvoll mit der Geschichte der Stadt umgeht.

Was die Szene in Matsumoto besonders macht, ist diese Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart – und die Vielfalt an Cafés, darunter viele Vertreter der «Third Wave Coffee»-Kultur, die sich auf die Zubereitung und den Genuss von hochwertigem Kaffee spezialisiert haben. Das lokale Tourismusbüro widmet diesem Umstand sogar eine eigene Website, auf der die bekanntesten Cafés – von traditionell bis modern – vorgestellt werden.

Ein Elektronikgeschäft wird zum Café

Im Erdgeschoss des Café Sioribi in Matsumoto.
Im Erdgeschoss des Café Sioribi in Matsumoto. janinjapan.ch

Ein besonders anschauliches Beispiel für diesen sanften Umgang mit der Vergangenheit ist das Café Sioribi. Von aussen prangt noch immer der alte Schriftzug «Takahashi Rajio Shokai» (dt.: Handelsgesellschaft Takahashi Radio) über dem Eingang – ein Verweis auf die lange Geschichte des Hauses als Elektronikgeschäft. Auch die Fassade wurde in ihrer ursprünglichen Farbe belassen.

Die Atmosphäre der Vergangenheit setzt sich im Inneren fort. Im Erdgeschoss erwartet den Besucher ein minimalistisch eingerichtetes Café mit Sichtbetonwänden und einer Theke für Bestellungen. Eine alte Heidelberger Druckmaschine zieht die Blicke auf sich und gibt einen ersten Hinweis auf die Philosophie dieses besonderen Ortes. Der Name Sioribi bedeutet wörtlich «Lesezeichentag» – das Café soll ein Ort sein, an dem man ein Lesezeichen in seine treibenden Tage setzen kann, wie es auf der Website heisst.

Buchhandlung im Obergeschoss

Das Café Sioribi ist zugleich eine Buchhandlung.
Das Café Sioribi ist zugleich eine Buchhandlung. janinjapan.ch

Wie diese Philosophie umgesetzt wird, zeigt sich im ersten Stock, den man über eine steile Holztreppe erreicht. Hier entfaltet sich die ganze Gemütlichkeit des Cafés in Form einer Buchhandlung, in der man in aller Ruhe in Büchern stöbern und dabei seinen Kaffee geniessen kann. Aus einem ehemaligen Fachgeschäft hat Sioribi mit viel Geschick eine Oase der Ruhe geschaffen. Die liebevolle Art, wie Cafés wie das Sioribi mit der Vergangenheit umgehen und gleichzeitig modernen Kaffeegenuss bieten, trägt entscheidend zum Charme von Matsumoto bei.

Die Tradition der Kissaten

Matsumoto knüpft damit an die Tradition der Kissaten (喫茶店) an – jener ruhigen, oft etwas verstaubten Kaffeehäuser, die vor allem in der Nachkriegszeit zu Rückzugsorten des Alltags wurden. Die «Third Wave»-Cafés in Matsumoto teilen mit den Kissaten den Anspruch, mehr als ein Ort zum schnellen Kaffeetrinken zu sein: Sie sind Aufenthaltsorte, an denen Zeit bewusst erlebt wird. Neu ist die Betonung der Kaffeezubereitung selbst – von der Bohnenherkunft über die Röstung bis zur Extraktionsmethode wird Kaffee als Handwerk verstanden (zum Artikel).

Die Fassade des Café Sioribi in Matsumoto trägt noch die Farben des früheren Geschäfts.
Die Fassade des Café Sioribi in Matsumoto trägt noch die Farben des früheren Geschäfts. janinjapan.ch
Eine steile Holztreppe führt in den 1. Stock des Café Sioribi in Matsumoto.
Eine steile Holztreppe führt in den 1. Stock des Café Sioribi in Matsumoto. janinjapan.ch
Im ersten Stock des Café Sioribi in Matsumoto.
Im ersten Stock des Café Sioribi in Matsumoto. janinjapan.ch
Ein weiteres Café: Coffee Stand High-Five.
Ein weiteres Café: Coffee Stand High-Five. janinjapan.ch
Das Hangout Coffee in Matsumoto.
Das Hangout Coffee in Matsumoto. janinjapan.ch

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