Single-Weihnachten

In Japan verbringt die Familie Weihnachten im Fastfood-Restaurant. Andere nutzen den Feiertag für ein romantisches Abendessen. Doch für nicht wenige sind es einsame Tage, sogenannte «Kuribocchi».

Weihnachten in Tokio.
Weihnachten in Tokio. Foto: flickr/ naoyafuji

Selbst in Japan, wo nicht einmal 1 Prozent Christen leben, feiert man gerne Weihnachten – wenn auch ein bisschen anders. Die Familie mit Kindern hält das Weihnachtsessen nur zu gerne im Fastfood-Restaurant ab, vornehmlich bei Kentucky Fried Chicken (zum Artikel). Diese «Tradition» entstand 1974, als die amerikanische Restaurantkette erstmals eine aufwendig produzierte Fernsehwerbung für Weihnachten lancierte.

Seither geben sich die Japaner im familiären Kreis dem frittierten Hühnchen hin. Ohne Reservation geht an diesen Tagen gar nichts. Auch die Konkurrenz ist schon lange auf diesen Zug aufgesprungen (zum Artikel).

Die jungen und ledigen Japaner nutzen derweil den 24. Dezember für einen romantischen Abend mit dem Partner. Schmucke Restaurants und Hotelzimmer sind zu dieser Zeit restlos ausgebucht. Ähnlich wie der Valentinstag eignet sich Heiligabend auch dazu, dem Partner seine Liebesgefühle zu offenbaren.

Die Einsamen

Und dann gibt es auch noch die grosse Gruppe der Einsamen an Weihnachten. Rund 64,5 Prozent der Japaner in den Zwanzigern verbringen laut der Yomiuri Shimbun den Heilig Abend ganz alleine, weil sie schlichtweg nicht in einer Beziehung leben oder für jenen Abend kein Date vereinbaren konnten.

Die Tageszeitung beruft sich dabei auf eine Umfrage einer Website für Restaurant-Reservationen, bei der 1800 Männer und Frauen zwischen 20 und 30 Jahren teilgenommen haben. «Kuribocchi», ein Zusammenzug des Wortes «Kurismasu» (Weihnachten) und «Hitoribocchi» (alleine), nennt man diese einsamen Weihnachten in Japan.

Das Land der Singles

Japan ist ein Land der Singles. Genau 61,4 Prozent der unverheirateten Männer zwischen 18 und 34 Jahren geben an, in keiner Beziehung zu sein. Bei den Frauen erreicht dieser Wert 49,5 Prozent. Das ist neuer Rekord. Noch 1987 waren 49 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen Singles. Seither steigt dieser Wert konstant an (zum Artikel).

Die Wirtschaft hat sich diesem gesellschaftlichen Trend angepasst, mit Karaokeboxen, Barbecue- und Nudelsuppen-Restaurants für die einsamen Seelen. Sogar die Universitätskantinen beginnen damit, immer mehr Sitzplätze mit Trennwänden anzubieten (zum Artikel).

Und so wird es nicht lange dauern, bis sich die Branche auch ganz der Single-Weihnachten verschreiben wird.