Der stille Abschied von Japans kleiner Fahrkarte

150 Jahre blieb Japans physisches Bahnticket unverändert. Jetzt weicht es einer japanischen Erfindung, die längst die ganze Welt erobert hat.

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Der stille Abschied von Japans kleiner Fahrkarte
Nostalgie pur: Das klassische Bahnticket in Japan. M.Thanaphum / Shutterstock.com

Es ist nicht lang her, als man in Japan mehrmals täglich ein winziges Kartonbillett, kaum grösser als eine Streichholzschachtel, in der Hand hielt. Am Abfahrtsort schob man es in den Schlitz der Ticketsperre, nahm es am anderen Ende wieder entgegen und hütete es bis zum Zielbahnhof, wo die Maschine es beim Verlassen endgültig verschluckte. Die kontaktlosen IC-Karten (zum Artikel) haben dieses haptische Ritual fast überflüssig gemacht, doch das klassische Ticket ist bis heute in Verwendung.

Die Wurzeln dieser nostalgischen Fahrkarte reichen zurück bis 1872. Mit der ersten japanischen Eisenbahnlinie zwischen Shinbashi und Yokohama (zum Artikel) importierte die Meiji-Regierung nicht nur Lokomotiven aus Grossbritannien, sondern gleich das gesamte britische Tarif- und Abrechnungssystem. Dazu gehörte auch die Erfindung des englischen Bahnhofsvorstehers Thomas Edmondson: Er hatte den Druck dieser Kartonkarte in den 1830er-Jahren entwickelt, um den Ticketverkauf mit fortlaufenden Seriennummern fälschungssicher zu machen.

Eine Ticketschranke in Japan. KenSoftTH / Shutterstock.com

Japan behielt das Format von 30 × 57,5 Millimetern, unter Bahnkennern als «Ed-Ticket» bekannt, über anderthalb Jahrhunderte praktisch unverändert bei. Erst Anfang der 1970er-Jahre kam die Modernisierung: Eine Magnetschicht auf der Rückseite machte das Ticket für die neuen automatisierten Schranken lesbar, die es elektronisch auslesen und mechanisch durch die Sperre befördern. Das Format der Fahrkarte wurden beibehalten.

Nun aber hat dieses mechanische Wunderwerk bald ausgedient und wird ersetzt durch eine japanische Erfindung, die längst die Welt erobert hat. Den Anfang macht die Region mit dem dichtesten Bahnnetz.

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